Humanitäre Hilfe Osteuropa e. V.

Mitglied im Diakonischen Werk der SELK

Hilfstransport trotz oder gerade wegen Corona von Arpke nach Bobruisk

Tagebucheinträge

Am Mittwoch (2.9.) mittags fährt der LKW, wieder ein 40-Tonner, vor unser Haus. Ein richtig schöner, neuer, silberfarbener LKW und ein netter Fahrer! Wie schön, er ist da, aber leider war er erst zu Samstag bestellt. Da muss er warten, denn auch die Helfer sind zu Samstag bestellt und der Stapler für Samstag zugesagt.

Samstagmorgen 5 Uhr: Ich erwache vom starken Trommeln der Regentropfen gegen unser Schlafzimmerfenster. Ich bete: „ lieber Gott, was hast du dir dabei gedacht? Du weißt genau, dass wir heute den LKW beladen wollen und das ist bei Regen gar nicht günstig. Die Kartons weichen schnell durch und vor dem Zelt steht dann eine tiefe Pfütze. Im letzten Jahr sind wir bei 4°C fast erfroren und heute schickst du Regen? OK, die Bauern brauchen dringend Regen, aber bitte –  ich weiß, dass du das kannst – lass es ab 8 Uhr auf dem DIA- Gelände trocken sein!“ 

7 Uhr: am Frühstückstisch recherchiert Siegfried bei „wetter.com“, dass der Regen ab 8.20 Uhr aufhören wird und gegen 9.30 wieder beginnt.

7.45 Uhr: Beladen mit kleinen Getränkeflaschen (es ist ja noch Corona), Süßigkeiten (man muss die Helfer ja bei Laune halten), kleinen Dankesgeschenken, Listen, Schlüsseln fürs Geländetor, usw. fahren wir (auf meinen lieben Mann kann ich beim Beladen nicht verzichten) zum Zelt. Mein Bruder Heinrich und Neffe Eike biegen gleich hinter uns auch auf die Straße. Ich zeige ihnen die Kartoffelhalle, wo Heinrich den Stapler holen kann und sehe, dass der Bauer ihn schon bereit gestellt hat. Vom LKW Parkplatz geleite ich den LKW aufs Gelände.

8 Uhr: Irene, meine Schwester aus Braunschweig (auf die ich beim Beladen auch nicht verzichten kann), kommt mit zwei Iranern angebraust. Es könnte losgehen, aber wo bleibt Heinrich mit dem Stapler?

8.05 Uhr: ich fahre zur Kartoffelhalle, um festzustellen, dass Philipp ( der Staplerbesitzer) ihm noch eine Einweisung gibt. Der Stapler ist neu und für Heinrich gewöhnungsbedürftig.

8.10: alle sind eingewiesen und der Laden läuft.

8.20 Uhr: es hört auf zu regnen. Ich bete:“ Danke, lieber Gott, das ist echt nett von dir. Ich glaube, du wolltest doch, dass wir heute den LKW beladen! Danke! Gib, dass kein Unfall passiert.“10.10 Uhr: wir sind fertig, der LKW ist voll. Da passt keine Briefmarke mehr zwischen. Wir haben 1464 Bananenkartons, 47 Koffer mit Spielzeug, 67 Säcke Decken, Autositze, Dreiräder, Kinderwagen, Kinderkarren, Schaukelpferde und Roller verladen. Leider geht die Tür hinten nicht zu. Nach einer gewagten Aktion – Eike sitzt auf einer Palette, die Heinrich vorn auf dem Stapler ganz nach oben fährt und drückt mit Hilfe eines Brettes den gesamten LKW Laderaum zur Seite. Tatsächlich, der LKW schwankt etwas und die Tür lässt sich schließen.10.30 Uhr: Während die anderen sich mit Bounty, Kinder Country und Crunch stärken und ihr Getränk austrinken, fahre ich mit Pjodr, dem LKW Fahrer in den Nachbarort zur Waage. Bisher reichte das geschätzte Gewicht für die Ladeliste, aber jetzt muss das echte Gewicht reingeschrieben werden. Auf dem Wiegeschein ist zu lesen: wir haben 14560 kg zugeladen. Der LKW fährt zurück auf seinen Stellplatz neben dem Zelt. Dort heißt es für ihn wieder warten, denn ich muss jetzt die Papiere besorgen. Mit Herrn L. ist abgesprochen, dass er mir alles zusammen nach Erhalt des Wiegescheins zumailt.

11.10 Uhr: zu Haus in Siegfrieds Büro – Wiegeschein einscannen und Herrn L. mailen – eigenen Laptop hochfahren und warten……………..warten…………………. warten ………………. meine Ungeduld wächst.

14 Uhr: ich halte es nicht mehr aus und rufe Herrn L. an. Er vertröstet mich auf den Abend, da der LKW sowieso erst am Montag, nachdem er in Hannover beim Zoll war, losfahren kann.

17 Uhr: ich bekomme einen Teil der Papiere zugemailt, die ich in 4-facher Ausführung ausdrucke. Und einen Anruf von Herrn L., dass der Zoll Probleme mit der EDV hat und ich darum bis Sonntag warten soll. Er schickt mir dann die restlichen Dokumente zu.

Mit Händen und Füßen erkläre ich die Situation meinem inzwischen zum Freund gewordenen Pjodr. ; keine Ahnung, ob der irgendetwas versteht, aber er lächelt noch ganz entspannt.

Es ist Sonntag. Keine mail und kein Anruf von Herrn L-, nichts, nothing, gar nichts, niet bis 10.30 Uhr . Dann kommt ein Dokument per mail. Aber meiner Meinung nach fehlt die Mautbefreiung, das Hygienezertifikat und das CMR Formular. Also,

12.30 Uhr Anruf bei Herrn L. (der arme Kerl tut mir leid, dass ich ihn um die Sonntagsruhe bringe, aber ich brauche die restlichen Papiere) Nach einigem Hin und Her habe ich gegen 14 Uhr alles ausgedruckt, schwinge mich auf mein Rad und beglücke Pjodr mit den Dokumenten und einer Packung After Eight. Wir stempeln und unterschreiben uns gegenseitig die Formulare. Mit „gute Reise, Gottes Segen und einem herzlichen doswidanje (das heißt hoffentlich auf Wiedersehen) verabschiede ich mich.

Morgen um 8 Uhr wird der LKW in Hannover am Hauptzollamt stehen und dann mit der Ausfuhrgenehmigung im Gepäck Richtung Belarus starten.

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